
Es war in jener Dämmerstunde, in der das Licht wie flüssiges Gold durch die Bäume sickerte und der Wald zu flüstern begann. Merlin wanderte langsam zwischen den alten Eichen hindurch, seinen Stab locker in der Hand, denn er spürte, dass dieser Tag anders war – voller Magie, die nicht von ihm stammte.
Er folgte einem kaum hörbaren Klang, wie das helle Klingen eines winzigen Glöckchens. Je näher er kam, desto stärker schien die Luft selbst zu schimmern. Und dann stand er still.
Vor ihm, auf einem Mooshügel, tanzte eine kleine Gestalt. Zart wie Morgentau, mit Flügeln, die in allen Farben des Regenbogens funkelten, schwebte eine Elfe. Ihr goldenes Haar wehte wie Sonnenstrahlen im Wind, und ihr Lachen klang wie das Erblühen einer Blume.
„Du bist nicht aus unserem Wald“, sagte Merlin ruhig und versuchte, sie nicht zu erschrecken.
Die Elfe wirbelte herum, blickte ihn mit großen, bernsteinfarbenen Augen an und funkelte kurz misstrauisch. Doch dann neigte sie ihren Kopf. „Ich bin Liora“, sagte sie, „und ich habe mich verirrt.“
Merlin lächelte. „Verirrt? Das passiert selbst den mutigsten Wesen.“
Liora flatterte ein Stück näher. „Ich wollte den Ort finden, an dem die Sterne die Erde berühren. Aber der Weg wurde immer dunkler, und plötzlich war ich allein.“
Der Zauberer setzte sich neben sie, und für einen Moment lauschten beide den Stimmen des Waldes. „Vielleicht“, sagte er schließlich, „solltest du nicht nach dem Ort suchen, an dem die Sterne die Erde berühren… sondern nach denen, die dich auf dem Weg begleiten.“
Liora betrachtete ihn lange und leise. „Willst du mir helfen, Merlin?“
„Natürlich“, antwortete er mit einem warmen Lächeln. „Denn manchmal findet nicht die Elfe den Zauberer—sondern der Zauberer findet die Elfe.“
Und so begann ihre Freundschaft: eine Begegnung aus Licht und Weisheit, aus Abenteuerlust und uralter Magie.
Ein Anfang, so zart wie ein Flügelschlag und doch stark genug, um die Welt zu verändern
