
Hans die Maus lebte unter einer alten Holztreppe mitten in einer kleinen Stadt. Jeden Morgen schlüpfte er durch einen winzigen Spalt und beobachtete die Menschen. Doch eines Tages fiel ihm etwas auf. Die Menschen gingen langsam durch die Straßen. Sie schauten auf den Boden, redeten kaum miteinander und viele sahen traurig aus. Hans setzte sich auf eine kleine Bank und dachte nach.
„Warum sind nur alle so traurig?“, fragte er sich. „Vielleicht brauchen sie etwas, das ihre Herzen wieder zum Lächeln bringt.“
Da hatte Hans eine Idee.
Er lief nach Hause und holte seine kleine Geige. Sie war zwar kaum größer als eine Walnuss, aber Hans liebte sie über alles. Er stellte sich mitten auf den Marktplatz, nahm seine Geige unter das Kinn und begann zu spielen. Zuerst blieb niemand stehen. Doch dann hob eine alte Frau den Kopf. Ein kleiner Junge blieb stehen. Ein Mann lächelte. Und plötzlich blieb immer mehr Menschen stehen. Die Melodie war fröhlich und warm. Sie erinnerte an sonnige Tage, an Freundschaft und daran, dass man niemals ganz allein ist. Hans spielte weiter. Da reichte die alte Frau dem kleinen Jungen die Hand. Der Junge nahm die Hand seines Vaters. Der Vater nahm die Hand einer Nachbarin. Und bald standen überall Menschen Hand in Hand auf dem Platz. Dann begannen sie zu tanzen. Sie lachten. Sie drehten sich im Kreis. Sogar diejenigen, die vorher traurig gewesen waren, lächelten wieder. Hans spielte seine Geige und strahlte über das ganze Gesicht. Er hatte verstanden:
Manchmal braucht es keine großen Worte, um einen traurigen Tag heller zu machen. Manchmal genügt eine kleine Melodie, eine ausgestreckte Hand und ein bisschen Mut, aufeinander zuzugehen. Als die Sonne langsam unterging, setzte Hans seine Geige ab. Die Menschen klatschten. Und ein kleines Mädchen rief:
„Danke, Hans!“
Die Maus verbeugte sich. Dann verschwand sie glücklich unter der alten Holztreppe.
Seit diesem Tag erzählte man sich in der Stadt:
Wenn die Herzen schwer werden, muss man manchmal nur anfangen, eine kleine Melodie der Freude zu spielen. Denn Freude wird größer, wenn man sie miteinander teilt.
