Lena schreckte mitten in der Nacht hoch.
Nicht wegen eines Geräusches.
Sondern wegen der vollkommenen Stille.
Ihr Herz raste. Das Zimmer lag im schwachen Licht der Straßenlaternen, die sich durch den Vorhang drängten. Alles war vertraut – der Kleiderschrank, das Bücherregal, die halb geöffnete Balkontür.

Und doch fühlte sich etwas anders an.
Sie sah zur Uhr.
03:33 Uhr.
Schon wieder.
Zum dritten Mal in dieser Woche.
Sie strich sich ihre langen, hellblonden Haare aus dem Gesicht und versuchte, sich an ihren Traum zu erinnern.
Ein Wald.
Schwarze Bäume.
Nebel.
Und eine Stimme.
Nicht laut.
Nicht leise.
Sie hatte ihren Namen ausgesprochen.
„Lena…“
Nur dieses eine Wort.
Doch es war ihr durch Mark und Bein gegangen.
Sie stand auf, trat auf den Balkon und atmete die kühle Nachtluft ein. Unter ihr schlief die Stadt. Autos waren kaum unterwegs, nur irgendwo in der Ferne sirrte eine Straßenbahn durch die Dunkelheit.
Plötzlich bemerkte sie eine Bewegung.
Am anderen Ende der Straße stand jemand.
Eine große Gestalt.
Regungslos.
Als sie genauer hinsah, war niemand mehr dort.
Lena schüttelte den Kopf.
„Ich brauche dringend weniger Kaffee“, murmelte sie.
Sie ahnte nicht, dass dies erst der Anfang war.
Zur gleichen Zeit saß Max in seiner kleinen Wohnung vor dem Computer.
Er arbeitete als IT-Sicherheitsexperte und glaubte ausschließlich an Dinge, die sich messen, berechnen oder beweisen ließen.
Geister?
Unsinn.
Magie?
Kindergeschichten.
Übernatürliches?
Psychologie.
Er fuhr sich durch sein helles Haar und strich sich über seinen gepflegten Bart, während auf seinem Bildschirm Logdateien vorbeiliefen.
Dann flackerte der Monitor.
Einmal.
Zweimal.
Schließlich wurde der Bildschirm schwarz.
Mitten auf der dunklen Fläche erschien ein einzelnes Symbol.
Ein Kreis.

Darin eine silberne Eiche.
Max runzelte die Stirn.
Das Symbol verschwand.
Der Computer startete neu.
Kein Virus.
Keine Fehlermeldung.
Keine Spur eines Fremdzugriffs.
Er überprüfte sämtliche Protokolle.
Nichts.
Nicht ein einziger Eintrag erklärte, was gerade geschehen war.
„Unmöglich…“
Genau in diesem Moment vibrierte sein Handy.
Keine Telefonnummer.
Keine Absenderkennung.
Nur eine Nachricht.
Sie hat den Ruf gehört.
Max starrte auf den Bildschirm.
Bevor er reagieren konnte, löschte sich die Nachricht von selbst.
Er glaubte an Zufälle.
Noch.
Doch irgendwo, weit außerhalb der Stadt, begann tief unter den Wurzeln eines uralten Waldes etwas zu pulsieren.
Etwas hatte zwei Namen gehört.
Lena.
Und Max.
